Interview mit Monika Kruse

Liebe Moni, vielen Dank das Du Dir die Zeit nimmst um uns heute ein paar Fragen über Dich und Deine Karriere zu beantworten. Mit Klavierstunden, im zarten Alter von vier Jahren, erwachte Deine Liebe zur Musik. Eine Liebe und Leidenschaft, die Dich niemals verließen und Du mit den Worten: “Musik macht mich einfach glücklich”, ausgedrückt hast. Was wolltest Du denn als Kind werden?

Monika Kruse: Als Kind wollte ich am liebsten Kinderüberraschungsei-Dummie werden (lach)

Während Deines Soziologiestudium und Tätigkeit als Produktmanager bei einem Plattenlabel, startete 1991 Deine DJ-Karriere in München. Deine ersten Sets waren durch Einflüsse wie Funk, HipHop und House geprägt. Wie kamst Du letztendlich und endgültig zur elektronischen Tanzmusik?

Monika Kruse: Ich habe mich schon immer für Musik verschiedenster Art interessiert. Als die ersten elektronischen Produktionen herauskamen war ich von den Sounds und der unüblichen Art Musik zu produzieren sehr begeistert. Allerdings meine ersten Lieblingsplatten waren eher Deep und Vocalhouse, ein Stil der ja nicht so weit vom Soul entfernt ist. Alles von Larry Heard und Mr. Fingers habe ich geliebt aber auch Aphex Twin – Selected Ambient Works, waren für mich die prägendsten Einflüsse.

Was macht Deiner Meinung nach einen guten DJ/DJane aus?

Monika Kruse: Für mich macht einen guten DJ aus, dass er Gefühl für Musik, Stimmung und vor allem die Crowd hat. Ein guter DJ muss sich auch zurücknehmen können, sprich wenn ein DJ das Vorprogramm macht, sollte er auf keinen Fall schon die Hits spielen oder auf die Pauke hauen, sondern gefühlvoll den Abend aufbauen. Ein guter DJ sollte vielseitig sein, sprich ein gutes Warmup, Peaktimeset oder Afterhour Musik auflegen können… musikalische Bögen fahren und auch Spaß am auflegen haben, spich mit der Crowd mitfeiern. Manchmal sehe ich DJ die hinter ihrem Laptop verschwinden und niemals Blickkontakt mit den Leuten haben.. da frag ich mich, welche Emails sie gerade lesen.

1993 wurdest Du Mitglied der “Ultraworld”-Crew, welche Techno-Parties veranstaltete und ein Jahr später den “Ultraschall” Club in München eröffnete, in dem Du von Beginn an Resident warst. Beschreibe doch einmal kurz diese Zeit?

Monika Kruse: Kurz diese Zeit zu beschreiben ist schwierig. Denn gerade in den Anfangszeiten ist soviel passiert. Es war ja die absolute Aufbruchstimmung, selbst in dem so spießigen München. Dort wurde ja übrigens die Afterhour erfunden! Denn es gab ja die Sperrstunde, wo die Clubs um 4 Uhr zumachen sollten. Aber dann sperrte ein Club – das Babalu- um 6 Uhr morgens wieder auf und dort trafen sich dann Raver, Barpersonal von anderen Clubs, Zuhälter, Nutten… und feierten zu Techno. Ich selber hatte eine Organisation Namens “bware” und habe regelmäßig illegale Parties veranstaltet. Sei es am See, in Trambahnen, in leerstehenden Heizkraftwerken, Weltkriegsbunkern… wild wars! Und jedesmal kam die Polizei. Aber selbst die waren immer sehr nett zu uns, Techno war ja damals so neu. Baben höchtens meine Personalien aufgenommen, aber eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch gabs nie. Und einmal kam sogar der spruch: “Dreht den bass doch ein wenig raus, sonst stürzt noch das haus ein”. Die Ultraworld-Crew veranstaltete damals immer Parties in einem Freizeitheim. Da gabs dann regelmäßig nach ein paar Stunden Lüftungspausen – sprich die Musik ging für 10 Minuten aus, die Fenster wurden aufgemacht damit in den Raum mal wieder Sauerstoff reinkam… und dann waren alle natürlich noch mehr am ausrasten, als die erste Bassdrum einsetzte. Später gabs ja den Ultraschallclub in der ehemaligen Waschküche von dem alten Flughafen Riem. Dort gab es 3 Tanzflächen, einen Ambientraum, den Technofloor, den Houseraum, und die Teebar.. und manchmal legte auch jemand auf der Toilette auf. Der Club hatte jedes Wochenende ein Wahnsinn Lineup …. und hat viele Experimente gemacht… wie z.b. ein gesamtes Wochenende nur Ambient gespielt. Im Technofloor wurde dann ein überdimensionales Bett aufgebaut, Mixmaster Morris spielte und die Bong ging rum… ach es gibt noch so viele Stories über das Ultraschall zu berichten!

Na das klingt ja wirklich nach einer wilden und interessanten Zeit. Von welchen Künstlern hast Du Dich am Anfang Deiner Karriere inspirieren lassen, und welche Künstler inspirieren Dich heute?

Monika Kruse: Damals haben mich wie gesagt musikalisch Larry Heard, Robert Ownes inspiriert, sowie Laurent Garnier, Jeff Mills, Carl Craig, Aphex Twin, Mixmaster Morris, A Guy called Gerald, Chemistry and Storm, Patrick Pulsinger, Richard Bartz, Michael Reinboth, Richie Hawtin. Heutzutage ist Richie immer noch einer meiner Alltime-Favoriten, ich höre aber auch gerne Luciano, Dixon, Henrik Schwarz, Apparat, Ulrich Scnauss, Marco Carola und ich genieße auch meine Terminal M-Familie: Manon, Erman Erim, Andhim …

Deine eigene Partyreihe “Housetram” folgte 1995 in einer Münchner Straßenbahn. Wie kamst Du auf diese Idee?

Monika Kruse: In München konnte man damals die Trambahn für sogenanne Btriebsausflüge mieten. Und als dann mal wieder eine Tram an mir vorbeifuhr in der Blasmusik gespielt wurde, dachte ich, es wird Zeit da mal ein wenig mehr Bass reinzubringen (lach)

Nach Deinem Umzug von München nach Berlin hast Du die beiden Plattenlabel “Terminal M” und “Electric Avenue Recordings” gegründet. Welche Idee steckt hinter den beiden Labels?

Monika Kruse: Terminal M ist mehr für die Peaktime Musik gedacht gewesen, und Electric Avenue für die ruhigere experimentellere Musik .

Einige Deiner DJ-Kollegen haben vor Ihren Auftritten ein gewisses Ritual wie gemütlich Essen gehen. Wie sieht das denn bei Dir aus? Bist Du vor Deinen Auftritten noch nervös?

Monika Kruse: Essen gehen ist ein Ritual das ich jeden tag mache (lach) … und klar, vor dem Auftritt muss man eine Unterlage haben für das Glas sekt! Leider bin ich noch immer sehr nervös vor den Auftritten. Da kann man mit mir auch nicht viel anfangen, denn ich steh stocksteif im Club rum und versuche die Stimmung der Leute zu fühlen, und überlege wie ich mein Set beginne. Aber ein wenig Lampenfieber gehört finde ich auch dazu… denn mir bedeuten ja die Menschen im Club etwas und ich will die nicht enttäuschen.

Wie siehst Du den Hype um Laserkraft 3D, die es mit Ihrem Hit “Nein Mann” in sämtliche Charts geschafft und diverse Preise abgeräumt haben?

Monika Kruse: Ich fand den Song witzig. Mal eine Technonummer in den Charts für die man sich nicht arg schämt. Ich wünsch den Jungs alles gute.

Wir sind bereits fast am Ende, eine Frage habe ich noch an Dich. Wie zufrieden warst Du mit dem letzten Jahr und was können wir 2011 von Dir erwarten?

Monika Kruse: 2010 war ein tolles Jahr für mich. Und nun freue ich mich umsomehr auf die neue Saison. Ich kanns kaum erwarten wieder hinter den Reglern zu stehen. Ich selber habe mich Anfang des Jahres oft ins Studio verzogen, also wird es bald neuen Output geben, dann stehen schon einige Fetsival-Highlights fest wie eben Timewarp, Day and Night Festival , Shows auf Ibiza und auf Terminal M warten auch noch einige schöne Flugreisen auf euch! Ich hoffe wir werden zusammen dieses jahr viel Spaß haben!

Super! Wir sagen vielen Lieben Dank für das offene und sympathische Interview!

Monika Kruse: Euch auch großen Dank fürs Interesse!

Monika Kruse Dates im Überblick
25.2.2011 Rheingarten, Bonn, Germany
26.2.2011 La NUit rouge, Marseille, France
05.3.2011 Bolgia, Bergamo, Italy
06.3.2011 Fabric London, UK
12.3.2011 Space , Miami, USA
20.3.2011 Panoramabar, Berlin, Germany
25.3.2011 Mea Mea , Landshut, Germany
26.3.2011 Komplex 457, Zürich, Switzerland
02.4.2011 Time Warp, Mannheim, Germany
09.4.2011 Worldleague, München, Germany
14.4.2011 Weekend, Berlin, Germany
15.4.2011 Studio 80, Amsterdam, Holland
16.4.2011 Clubber´s Day, Madrid, Spain
21.4.2011 Tenax, Florence, Italy
23.4.2011 Werkbühne, Bregenz, Austria
24.4.2011 Projekt X, Cologne, Germany
30.4.2011 Day & Night, Sindelfingen, Germany


Geschrieben von

chris
Hat mit seinem Bruder Daniel vor ein paar Jahren, genauer gesagt 2009, 'Electrovagant' gegründet und kümmert sich um das Marketing und den Vetrieb. Schreibt, sonfern es seine Zeit zulässt, auch gerne selbst Artikel. Social Media Management gehört genau so zu seinen Tagesaufgaben, wie passende Nachwuchs-Schreiber-Talente zu rekrutieren.

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