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Kategorie: AllgemeinesCana-péKolumnen

Gedanken hinter dem DJ-Pult – Volume 8: Warum Gott ein DJ ist und Techno Beten


gepostet von chris am 21. Mai 2012

Hallo Ihr lieben electrovaganten Leser. Wir sind wieder da und melden uns mit einer neuen Kolumne zu einem Thema, über das schon viel geschrieben, gesungen und nachgedacht wurde, nämlich was Techno mit Religion zu tun hat oder warum Gott ein DJ ist.

Witziger Weise hat es dazu auch jüngst einen konkreten Anlass gegeben. Das aktuelle „Techno im Delta“-Event „The Power of Love meets Playground“ am Samstag, den 19.5. im MS Connexion, bei dem ich zusammen mit Yana Heinstein, Bassface Sascha, Tim Etzel, Erbgut und vielen mehr auflegen werde, sollte nämlich zunächst „Techno meets Jesus“ heißen und wurde schließlich von den Verantwortlichen kurzerhand in „The Power of Love“ umbenannt. Der ursprüngliche Name war wohl doch bei einigen Feierleuten aufgestoßen, so als wolle man quasi – auch angesichts des derzeit in Mannheim stattfindenden Katholikentages – irgendwie missionieren!? Das hat mich und einige andere beteiligten DJ-Kollegen bzw. -Kolleginnen doch sehr überrascht, da uns der Name sehr gefallen hat.

Neinnein, habt da mal keine Angst. Bei dieser Party handelt es sich um eine weitere Ausgabe des Vereins Technokultur, der im letzten Jahr mit der „20 Jahre Techno im Delta“-Party in der Diskothek Zwei gestartet ist und von dem wir dieses Jahr noch einiges hören und viele tolle Partys erleben werden.

Dass Techno religiöse Elemente hat, dürfte uns als Feierleute dabei doch gar nicht so fremd sein. Nicht nur dass einige Acts wie z.B. Faithless in „God is a DJ“ das Thema explizit in ihren Tracks aufgegriffen haben. Auch hat dieses Thema unzählige Party- und Flyermacher dazu motiviert, entsprechend ihre Partys, Flyer und Deko zu gestalten. Noch dazu wurden vor einiger Zeit auch öfters Technopartys in Kirchen veranstaltet – eine coole Sache, wie ich finde.

Warum all das? Warum kann man sagen, dass Gott ein DJ ist, der Klub sozusagen eine Kirche und der Plattenspieler eine Gebetsmühle?

Also, zunächst einmal bin ich der Meinung, dass der Trance-Zustand, der beim Techno durch das Tanzen und die Musik (egal ob House, Techno oder Trance) ausgelöst wird, wie Beten ist, also einem Gebet gleichkommt. Dieser Zustand ist eine Art Selbsterfahrung, bei dem man einfach nur ist und alles sehr positiv ist. Das ist beim Techno durch das Tanzen durch diese sphärischen, treibenden Elemente immer da und kann wie Religion sehr schön sein. Ganz wie Faithless es schon beschrieb, kann das einen wohltuenden, ja fast schon heilenden Effekt haben („this is where I heal my hurts“). Denn man ist dabei ganz bei sich und trotzdem offen. Es ist also ein Zustand, der quasi öffnet und schließt zugleich. Während man beim Tanzen zwar in sich und für sich ist, ist man aber auch nach vorne oder gar nach oben gerichtet. Meistens sind sich dann auf der Tanzfläche ja auch alle einig. Da gibt es kein Für und kein Wider, sondern nur ein Ist. Das macht die Musik, wenn man im Tanz-Flow ist und das ist das gleiche wie Beten, finde ich.

Grundsätzlich bin ich ja auch der Meinung: Es gibt keinen Gott, sondern es ist Gott. Gott ist. Denn es ist – wie ich glaube – keine Person, zu der man sagen kann, hey, give me five oder so, sondern Gott ist in der Gesamtheit. Aber das bleibt natürlich jedem selbst überlassen, was er glaubt und was nicht.

Wenn es auch in unseren Kirchen Musik gibt, ist sie meiner Beobachtung nach eher auf das Singen in Chören oder auf die Begleitung mit Orgeln ausgelegt und nicht auf das Tanzen, wobei es mit der Gospel-Musik eine Ausnahme gibt. Die Musik in unseren Kirchen ist zwar auch schön und melodiös, aber eben nicht mehr ganz so uptodate und publikumsnah. So scheint es mir, dass bei uns in den Kirchen die Musik mehr zum Zuhören da ist, als selber darin aktiv zu werden. Das könnte man also durchaus reformieren. Denn schließlich ist es das, was gerade eben auch Techno ausmacht, dass man selbst darin aktiv wird. Damit haben Techno und Gospel und andere Religionen, in denen viel getanzt wird, etwas gemeinsam, was religiös ist.

Wie auch immer – genießt es und feiert es!

In diesem Sinne,
liebe Grüße,
euer Cana-pé