Gedanken hinter dem DJ-Pult – Volume 5: Warum ich demnächst einmal 24 Stunden lang keine Musik hören und machen werde…
gepostet von chris am 22. Juni 2011
So ihr lieben electrovaganten Leser! Nachdem ich in meiner letzten Kolumne beschrieben habe, wie es bei mir mit der elektronischen Musik anfing und warum es nicht aufhören darf, möchte ich euch in dieser Kolumne einmal erklären, warum ich demnächst einmal 24 Stunden lang keine Musik hören oder machen werde und warum ihr das vielleicht auch einmal tun solltet.
Denn stellt euch einfach mal vor, es käme morgens nach dem Anschalten von eurem Radio keine Musik. Was würden die meisten wohl tun, wenn das so wäre? Ich ehrlich gesagt, würde die Musik vermissen und bedauern, dass im Radio nur Gespräche laufen, was durchaus interessant sein könnte. Stattdessen würde ich mir aber etwas Melodiöses wünschen, um gut gelaunt in den Tag zu starten.
Gab es das denn schon einmal, dass in einem Radio mal keine Musik lief? Tatsächlich. Denn vor einiger Zeit hatte einer der Begründer von KLF, Bill Drummond, den No Music Day ins Leben gerufen. Während sich dieser von einem rein persönlichen Beweggrund mehr und mehr zu einer öffentlichen Sache entwickelte, hatte sich 2007 BBC Radio Schottland der Sache angeschlossen und am 21. November auf jegliche Musik in seinem Programm verzichtet. Die Homepage www.nomusicday.com, die aus Bill Drummonds Projekt entstanden ist, kann man übrigens auch heute noch aufsuchen und seine Gedanken darauf mitteilen.
Warum sollte man sich aber einmal als Radiosender, Musiker oder Hörer eine Zeitlang in Musik-Askese üben?
Musik ist derzeit einfach immer und überall. Jeder Handy-Klingelton ist Musik. Jederzeit wird man mit Hits aus dem Radio zugedrönt. Natürlich ist es einerseits toll, dass Musik immer und überall zugänglich ist. Andererseits rutscht dadurch die Musik aber auch immer mehr ins Unter- vielmehr Nebenbewusstsein. Denn wie alles, das immer da ist, gewöhnt man sich daran und es verliert an Wertschätzung, so dass man ihr auch gar nicht mehr so genau zuhört. Ist sie aber irgendwann einmal nicht mehr da, dann fängt man an, sie zu vermissen und man bemerkt, was man eigentlich an ihr hatte.
Daher finde ich, dass man ruhig einmal an einem Tag des Jahres auf Musik verzichten kann, nur um sie am nächsten Tag wieder mit neuen Ohren zu hören und ihren Wert wieder für sich zu entdecken.
Musik ist für mich eine wertvolle Sache. Techno ist für mich eine wertvolle Sache. Wenn aber der Wert der Musik, auch der Wert elektronischer Musik verloren geht und die ganze Arbeit, die dahinter steckt, gar nicht mehr respektiert wird, dann ist das für mich ein Alarmzeichen.
Also, ihr lieben Musikkonsumenten und Partygänger, aber auch ihr lieben Low-Budget- und High-Quality-Veranstalter und -Betreiber, Djs, Produzenten oder zu welchem Bereich des Musikmarkts ihr euch auch immer zählt, fasst euch einfach mal an die eigene Nase und überlegt, was wäre, wenn es mal keine Musik mehr gäbe? Oder probiert es einfach mal aus, 24 Stunden, eine Woche oder einen Monat, falls ihr es denn solange überhaupt ohne sie aushalten könnt. Und wenn ihr festgestellt habt, dass ihr ohne Musik nicht leben könnt, dann gebt ihr endlich auch einmal wieder ihren angemessen Wert und entlohnt, zelebriert und feiert sie entsprechend.
In diesem Sinne -
LG Euer Cana-pé



















