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Kategorie: Cana-péKolumnen

Gedanken hinter dem DJ-Pult – Volume 1: Was machen wir hier eigentlich?


gepostet von chris am 11. Januar 2011

So, ihr Lieben, es ist so weit. Wir schreiben das Jahr 2011 und eines unserer liebsten Szene-Portale ist an mich herangetreten, ob ich nicht in Zukunft eine DJ-Kolumne schreiben möchte. Warum eigentlich nicht, dachte ich mir – und fing an zu überlegen, worüber man als erstes schreiben könnte – ohne in irgendeine „Friede-Freude-Eierkuchen-ach-was-sind-wir-ja-alle-so-toll“-Beweihräucherung zu verfallen. Klar, gibt es in meinem allnächtlichen Leben genügend Anlässe, Ereignisse und Begebenheiten, bei denen eine schriftliche Auseinandersetzung ganze Bände füllen würde. Zunächst möchte ich aber mal mit einer grundsätzlichen Frage ganz von Vorne anfangen: Was machen wir hier eigentlich?

In einem früheren Electrovagant-Interview habe ich mal so etwas gesagt wie: „Ich bin kein DJ geworden, sondern ich war schon immer einer.“ – sprich ich bin mit der Musik und der Veranstaltungstechnik groß geworden und habe mir das Auflegen von Kind an angeeignet. Doch was heißt es eigentlich DJ zu sein und hinter einem DJ-Pult für eine gute Party zu sorgen? Wenn ich als DJ auf einer Bühne stehe, möchte ich, dass die Leute unverkrampft und frei feiern und dass Ruhe auf der Bühne herrscht. Denn ist dies nicht der Fall und wird dort beispielsweise durch irgendein technisches Problem Hektik verbreitet, überträgt sich das automatisch auf das Publikum. Punkt. Um eine gute Party zu erleben, sollten die Leute wiederum für ihren Teil einfach mal ihr Ego zu Hause lassen, den Gott einen lieben Mann sein lassen und tanzen. Dann wird das schon.

Was aber ist die Aufgabe des DJs, des Discjockeys? Ehrlich gesagt, habe ich nicht schlecht staunen müssen, als ich das zuletzt sogar mal in den Berufsbeschreibungen des Arbeitsamtes – tschuldigung – der Arbeitsagentur nachgelesen habe: „Aufgabe der Diskjockeys ist es, bei Veranstaltungen für Stimmung zu sorgen, diese möglichst lange zu erhalten und ggf. zu steigern. Das Publikum gewinnen sie dabei durch die geschickte Auswahl und die Abfolge der Musik“. Weiter heißt es da: „Sie (die Discjockeys) wählen nicht nur Musik aus, sondern kreieren mithilfe von Musikabspielern und Regeleinrichtungen eigene Musikstücke.“ Aha! Das heißt also, bei aller künstlerischer Darstellerei und kreativer Austoberei, die das Berufsfeld eines Techno-DJs so mit sich bringt und was heutzutage auch von jedem gemacht oder zumindest versucht wird, sollte man also auch die eigentliche Aufgabe eines Discjockeys nicht vernachlässigen, sondern ausführen. Das heißt, Leute im Club oder auf einer Party in Bewegung bringen und in Anführungszeichen durch die Bewegung für Umsatz sorgen. Ein Discjockey, der das nicht macht oder nicht schafft, der wurde früher klipp und klar gefeuert und hat eigentlich nichts hinter dem DJ-Pult verloren.

Übrigens habe ich zuletzt in der Raveline gelesen, dass es sogar ein Lehrbuch für den DJ gibt – „Gut aufgelegt!“ – inzwischen in der siebten Auflage. Na, denn! Das werde ich mir demnächst mal kaufen. Vielleicht „lerne“ ich dann ja nach jahrelanger Praxis und Erfahrung endlich auch mal was!

Liebe Grüße,
Euer Cana-pé