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Interview mit Peter Latino


gepostet von chris am 23. April 2010

Hallo Peter, Deine DJ-Karriere beginnt in der Rhein-Main-Region zur „Wendezeit“, damals bist Du für ein paar Jahre auf den frischen Techno Sound der Nation umgeschwenkt Im legendären Mainzer „M“ hast Du neben DJ-Größen wie Sven Väth oder DJ Dag den Sound zur Stunde gespielt. Aber lass uns doch ganz am Anfang Deiner Karriere beginnen. Wie bist Du denn überhaupt zum Platten auflegen gekommen?

Peter Latino: Als Kind war ich schon verrückt nach Musik (Aussage meiner Eltern). Als 12 Jähriger war ich mal in einer Radiostation in Italien und da spielten die DJs schon ihre Mixe, das war 1982. Ich war sofort angefixt und habe meine Eltern genervt, irgendwann hatte ich Erfolg und mein erstes Pult, ich konnte als Kind wohl sehr gut nerven.

Warst Du direkter „FAN“ der elektronischen Musik?

Peter Latino: Nein, ich bin Frankfurter und die Amys haben damals den Ton angegeben. Ich war Soul und Hip Hop Fan, das war dann auch mein Einstieg.

Wie war das denn damals so, war für Dich von vornherein klar das Du später einmal DJ werden möchtest. Oder bist Du auf Nummer sicher gegangen und hast eine abgeschlossene Berufsausbildung/Studium?

Peter Latino: Wenn man mit seinem Hobby und seiner Leidenschaft Geld verdienen darf, dann ist das Luxus und Glück. Bevor ich hauptberuflich DJ geworden bin, habe ich eine Berufsausbildung gemacht und Mitte der 90er war ich auf der SAE in Frankfurt.

Beschreib doch mal Deine Anfangszeit als DJ-Newcomer in der hiesigen elektronischen Musikszene?
Wie würdest Du selbst Deinen Sound beschreiben? Und wie sieht für Dich ein typischer DJ-Alltag aus?

Peter Latino: Ich hatte einfach nur Glück. Als ich meine erste Residency im Mainzer M hatte, bin ich nur reingerutscht weil der Resident im Urlaub war. Der Chef fand es wohl ganz cool und ich war dann fester Bestandteil der Crew. Meine Bookings habe ich eigentlich auch immer in der Location bekommen. Es haben mich Leute gehört und die haben mich dann für andere Partys (nicht nur in der Location) gebucht. So ging es eigentlich los, dann kam neben dem M noch die nächste Residency usw. Plötzlich war ich drin, bis heute. Heute läuft das natürlich etwas anders ab. Sicherlich war der DJ-Markt nicht ganz so überfüllt wie heute, ich denke heute hat es ein Newcomer schwerer. Mein Sound ist eine gesunde Mischung aus House und Techno, also „TECHHOUSER“. Mein Alltag besteht leider nicht nur aus Musik, ich muss mich um viele andere Sachen kümmern, wie Buchhaltung, usw. Eigentlich das was jeder macht der selbstständig ist.

„Peter Latino“ – Dein richtiger oder Dein Künstlername?

Peter Latino: Mein bürgerlicher Name ist Pietro Latino, ich wurde als Kind aber schon immer Peter genannt, also Peter Latino. Aber Latino ist so der Name der im Ausweis steht.

Du hast bereits Gigs in Frankreich, Italien oder in Metropolen wie Berlin und München gehabt. Feiern die Franzosen denn anders wie die Italiener und wie sieht das in Deutschland aus, feiern die Gäste im Süden anders als die Partywilligen im Osten?

Peter Latino: Das kann man so nicht sagen, kommt darauf an wo es ist. Spanier gehen schon ganz gut mit, die Italiener sind sehr stark am kommen. Auf Ibiza und Barcelona hatte ich das Gefühl das ich in Deutschland gespielt habe, gerade an dem Abend in Barcelona waren min. 10 Leute aus Frankfurt da. Und auf der Technotouri-Insel ist es eh ein Heimspiel. Ganz ehrlich? Das Publikum in Deutschland gefällt mir bis jetzt immer noch am besten, egal ob Ost oder West. Ich habe aber auch noch nie in USA oder Südamerika gespielt, deswegen halte ich mich da etwas zurück. Aber Deutschland rules…..

Wie siehst Du die Entwicklung der elektronischen Musikszene gerade in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz?

Peter Latino: Ja verdammt gut, Frankfurt ist für mich schon immer eine Metropole für elektronische Musik gewesen, Mainz und Wiesbaden ist immer so der Mitläufer gewesen, wenn man aber mal nach Mainz schaut tut sich einiges, gerade so aus der Ecke Butch, der ein Ding nach dem anderen raushaut. Aber auch im Raum Rhein Neckar tut sich einiges, man beachte mal Labels wie 8Bit oder Kollegen wie Terry Lee Brown Jr. Wir müssen uns auf jeden Fall nicht vor Berlin verstecken…..

Du bist derzeit Resident im „U60311“. Der beste Club in Frankfurt? ; )

Peter Latino: Ja natürlich der beste Club in Frankfurt. Neben dem U gibt es einen echt fantastischen Laden in Wiesbaden, das New Basement, sehr gutes Line up, super Sound System und für mich immer ein Heimspiel, spiele dort so 4 – 5 mal im Jahr, ist für mich immer was ganz besonderes.

Immer interessant wenn Deine DJ-Kollegen nach Ritualen vor deren Auftritten gefragt werden. Wie sieht das denn bei Dir aus? Platten sortieren, Alkohol? Ist ein so erfahrener DJ, wie Du es bist denn eigentlich noch aufgeregt vor seinen Auftritten?

Peter Latino: Rituale? Ich trinke vorher immer frisches Blut, muss aber echt sehr frisch sein, Spässle, nein, keine Rituale.
Aufgeregt bin ich eigentlich auch nicht mehr, aber es kribbelt immer noch, es macht einfach total Spaß und wenn das mal weg ist, dann bin ich auch nicht mehr DJ.

Du wirst am 12.06.2010 bei Bodos Geburtstag natürlich auch mit dabei sein. Die Vorfreude steigt so allmählich oder? 32 Deejays, 3 Floors, 24 Stunden lang. Ein Event der Superlative. Was erwartest Du?

Peter Latino: Ich erwarte einfach eine gute Party, wenn LautLeise da unten einlädt, dann wird es auch immer sehr gut, habe noch nie so eine Fangemeinde erlebt wie die von LautLeise….. Wahnsinn!! Ja, lange wird es gehen, das weiß ich. Bodos Geburtstag wird mit Sicherheit der Kracher, freue mich auch riesig darauf und es wird mir eine Ehre sein für ihn zu spielen. Ich durfte schon im letzten Jahr im Loft für ihn spielen, das war schon sehr cool. Liegt aber auch daran, dass die Beziehung zu Bodo bzw. zu LautLeise nicht nur eine Geschäftsbeziehung ist. George Perry, LautLeise und ich haben ja auch ein Label zusammen, so was funktioniert nur, wenn alles andere auch passt, und es passt.

Wie lange wirst Du uns denn Dein Set zum besten geben?

Peter Latino: Ich denke so knapp 2 Std., weiß es aber noch nicht genau, ich werde jedoch erst morgens spielen, da ich noch wo anders vorher bin, dafür bleib ich auch ganz sicher lange.

Natürlich können die Gäste vom besagten Event auch die Fußball WM in Südafrika live verfolgen. Wie lautet Dein Tipp?

Peter Latino: Mein Tipp als Italiener? Ich hoffe Italien, aber Deutschland hätte es auch mal verdient.

Wie zufrieden warst Du denn mit dem letzten Jahr und was können wir alles im neuen Jahrzehnt von Dir erwarten?

Peter Latino: Letztes Jahr war stellenweise nicht so toll, auch im Nachtleben konnte man eine Wirtschaftskrise spüren, die ist aber jetzt vorbei. Ich habe seit dem 1. Januar ganz tolle Bookings auf die ich mich riesig freue, das darf ruhig so weiter gehen. 2010 werden noch einige Remixe von mir kommen, die schon fertig sind und auch eigene Projekte auf unserem neuen Label audioschall.com. Bin selbst sehr gespannt.

Peter, leider sind wir auch schon wieder am Schluss angelangt. Vielen Dank für das aufschlussreiche und nette Interview! Wir sehen uns dann spätesten am 12. Juni 2010.

Peter Latino: Vielen Dank und bis bald