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Kategorie: InterviewsSzene

Interview mit Cana-pé


gepostet von chris am 21. Februar 2010

Passend zum Geburtstags-Weekend (4 Jahre Vulcano) und dem gleichzeitigen B-Day’Bash von dessen neuen Resident und Local Hero Cana-pé: stand der DJ und Produzent uns Rede und Antwort.

Lieber Sven, Du bist in der Szene besser bekannt unter dem Namen „Cana-pé“. Da die Zeit heut zu Tage immer knapper wird, freut es mich umso mehr, dass Du Dir heute die Zeit nimmst und uns Rede und Antwort stehst. Du bist DJ, Produzent und auch Veranstalter aber wollen wir ganz am Anfang Deiner Karriere beginnen. Wie bist Du zur elektronischen Musik gekommen? Und war es schon immer Dein Wunsch DJ zu werden?

Cana-pé: Also, ein spezieller Wunsch war es bei mir nie. Ich bin einfach schon immer DJ gewesen und es gab bei mir nie den Punkt, an dem ich sagte, ich werde jetzt „DJ“. Sondern ich habe es mir schon von Kind an angeeignet. So war ich schon als Kind immer sehr disco-orientiert und habe in meiner Spielstube schon immer viel mit Technik und Elektronik gemacht und Lichtorgeln gekauft. Dank der alten Bäckerei, die wir hier zu Hause haben, hatte ich auch immer genügend Spielraum, wo ich mich austoben konnte. Auch stellte ich schon als kleines Kind meine ersten Musik-Cassetten mit diesen 45er Mini-Singles zusammen. Da war ich gerade mal zehn Jahre alt. Das Auflegen habe ich mir dann selber beigebracht, als mich in der 9. oder 10. Klasse das Milk-Virus über die legendären Milk-Tapes erreichte, wobei ich nur wusste, dass man dazu zwei Plattenspieler braucht und dass irgendwelche Menschen wie Bassface Sascha oder Toby Jonathan dazu zwei Platten ineinander mischen. Da ich schon damals zu Schulzeiten Partys veranstaltete und dabei für die Musik verantwortlich war, war es für mich logisch, dass ich das auch können musste. Ich habe es dann einfach ausprobiert und mir angeeignet.

Wie sieht ein typischer DJ-Alltag bei Dir aus?

Cana-pé: Also, ich stehe auf, dusche und putze meine Zähne, wie jeder andere auch. Ich mache da ja auch keinen großen Hehl draus. Ich bin halt so und lebe so als DJ. Was ist auch schon ein „DJ“? Ich bin eben Musiker und da beginnt der Tag mal morgens, mal mitten in der Nacht und mal nachmittags. In dieser Hinsicht bin ich auch komplett selbständig, was für viele vielleicht ganz toll klingen mag, aber manchmal auch ganz schön hart ist. Ansonsten sieht es halt so aus: Platten sortieren, durchhören, aussortieren, vorsortieren und immer wieder neue kaufen. Zu Leiden meiner Nachbarn und Untermieter tobe ich mich dann auch hin und wieder mal ein bisschen im Studio aus. Dann bastele ich natürlich immer auch an meiner Homepage www.cana-pe.de und verschicke Newsletter und Promo-CDs.

Interessant ist es immer wenn Deine Kolleginnen- und Kollegen berichten, wie sie zu ihren Namen gekommen sind. Wie war das denn bei Dir?

Cana-pé: Cana-pé ist eine Zusammensetzung von einer Geschichte. Früher hieß ich mal Kana-Biss. Das war der Kana mit dem richtigen Biss und der so richtig zackig war. Weil ich immer gerne lange auflege, wurde daraus dann auch: „Kana-Biss’chen länger dauern“. Das war damals ein Spaß mit 1999. Um die Optik von der alten Schreibweise auf den Flyern und Plakaten zu waren, denn ich war ja in und um Heidelberg bekannt wie ein bunter Hund, habe ich den Bindestrich beibehalten und mich für Cana-pé entschieden. Cana-pé einmal wegen dem Sofa, das für sich Lockermachen, Musik hören und sich Einlassen auf die Musik steht. Aber auch zum anderen wegen den zu genießenden kleinen Häppchen elektronischer Musik, auf die man bei mir abfeiern und abfahren kann.

Für alle, welche Deine Musik noch nicht kennen, beschreib doch einmal kurz Deinen Sound.

Cana-pé: Electrotechnoforwardhouse. Also, alles, was irgendwie vorwärts geht, das Gehirn kitzelt und Spaß macht. Manchmal bin ich auch sehr abstrakt. Denn ich liebe auch das Extreme, auf jeden Fall, und manchmal kann das auch sehr extrem sein. Aber die, die mich kennen, wissen, dass ich mich meistens wieder fange.
Konkret ist es Techno im Sinne von Techno. Das heißt wir tanzen zusammen und flüchten uns in eine Welt der elektronischen Musik. Da machen viele mit. Das freut mich sehr.

Gerade im Rhein-Neckar-Delta gibt es eigentlich keinen Club, welchen Du noch nicht bespielt hast und auch überregional wirst Du gerne gebucht. Hast Du denn einen Lieblingsclub?

Cana-pé: Also, ich muss ehrlich gestehen: Ich hatte einen Lieblingsclub. Oder wie soll ich das sagen? Im eigenen Laden hat es am meisten Spaß gemacht. Außer vielleicht „OBEN“ beim Manfred im Heidelberger Karlstorbahnhof, wo es eine sehr schöne Sache ist, habe ich bis heute noch keine Anlage gehört, die das getoppt hat.
Denn da ich ja eh ein Mann der Extreme bin und es mir bei einer Anlage nicht nur auf den Klang, sondern auch auf das Volumen ankommt und was ein Club aus einer Anlage macht, reichen bei mir nicht vier Bassboxen, sondern da müssen schon mal sechs oder acht dastehen.

Hast Du denn ein gewisses Ritual vor Deinen Auftritten?

Cana-pé: Also, ich renne immer noch im Quadrat, bevor es losgeht. Denn jedes Set ist ja immer auch etwas Neues. Selbst nach dieser langen Zeit, bin ich davor immer noch sehr nervös. Da gehe ich dann in mich und bin auch gar nicht kommunikativ, sondern eher ruhig. Denn ich bin ein Mann weniger Worte. Ich lasse lieber den Bass sprechen.
Ansonsten ist das Ritual ja eigentlich: Hier ist das kalte Wasser und spring rein. Und bei mir ist das dann von extrem still zu extrem tanzbar laut.

Auf welchem nationalen oder internationalen Festival würdest Du denn gerne einmal auflegen?

Cana-pé: Also auflegen würde ich gerne überall, wo man irgendwie auflegen kann. Das ist natürlich klar, wer will das nicht. Daher wäre es z.B. auch mal schön auf der Nature One zu spielen oder bei der Love Parade auf einem Wagen zu sein

Ganz nach der „alten Schule“ legst Du noch immer mit Vinyls auf. Eine absolute Ausnahme.
Beschreibe doch einmal den Unterschied zwischen der „alten Schule“ und der gängigen Praxis?

Cana-pé: Die gängige Praxis nervt insofern, dass immer alles umgesteckt werden muss und dass die Leute am Mischpult rumfuhrwerken, weil jeder eine andere Technik mitbringt. Ich bin da relativ einfach und brauche meine Schallplatte und meine beiden Plattenspieler und fertig.
Wie einer meiner Kollegen Harald Klang, der mit CDs auflegt, einmal sagte, ist das wichtige ja auch, was vorne dabei raus kommt. Deswegen: Mit Vinyl erreicht man genau so gute Ergebnisse, wie wenn man einen riesengroßen Laptop anschleift.

Wirst Du 2010 umsteigen?

Cana-pé: Nein! Ich sehe keinen Grund dazu. Auch preislich gesehen ist es kein großer Unterschied, ob ich mir jetzt eine MP3 für ein paar Euro kaufe oder eine Schallplatte für 6,99 Euro. Da pflege ich doch lieber das gute alte Vinyl. Auch klanglich gesehen.

Du bist seit nun mittlerweile mehr als 15 Jahren im Business, was hat sich Deiner Meinung nach in der elektronischen Musikszene geändert? Gerade hier in der Rhein-Neckar-Region.

Cana-pé: Zunächst einmal ist kaum noch mehr Peace, Love und Unity zu spüren. Und auch wenn jetzt jeder DJ ist und DJ x, DJ y und DJ z heißt, kümmern sich die wenigsten um die Atmosphäre einer Party. Das vermisse ich, weil mir ist wichtig, dass alles rund läuft und nicht dass ich hinter dem DJ-Pult stehe. Ein Discjockey ist ja einfach auch nur ein Plattenaufleger. Dementsprechend kann ich auch den ganzen komischen Hype, der darum entstanden ist, auch gar nicht so richtig nachvollziehen.

In unserem Voting zum „Local Hero 2009“ bist Du unter den ersten fünf Plätzen zu finden. Leider hat das Voting auch das ein oder andere Problem mit sich gebracht und nicht alle konnten sich an die Spielregeln halten. Wie hast Du das Voting im Allgemeinen gesehen?

Cana-pé: Ich habe es offen und ehrlich gesehen und mich darüber gefreut, dass ich im Laufe des Votings über 300 echte Stimmen bekommen habe, für die ich sehr dankbar bin. Ich habe zwar herausgefunden, wie man manipulieren kann und habe es dann auch euch gegenüber kundgetan, weil ich ein Mann der Fairness bin. Schließlich bescheißt man sich doch im Endeffekt auch nur selber, wenn man bei so etwas bescheißt. So weiß ich, ich habe nicht gefaked und habe echte Stimmen bekommen und letztlich war ja diese mit einem Augenzwinkern gemachte „Cana-pé 4 President“-Aktion inkl. dem Foto auch nur ein Spaß.

Am 05.02.2010 hat das vom „MS Connexion“ und „City of Sounds“ veranstaltetete Event „HELPING HANDS FOR HAITI“ stattgefunden. Eine super Sache, die sich Christian Lömmersdorf zugunsten der Erdbebenopfer in Haiti ausgedacht hat. Zahlreiche DJ-Größen aus der Region haben daran teilgenommen, so auch Du. Mit welchen Erwartungen bist Du dort hingegangen?

Cana-pé: Ich habe gehofft, dass genügend Leute zusammen kommen und dementsprechend auch ein bisschen Geld dalassen, für Leute, die eben nicht freitags bis sonntags in Clubs verbringen und sich vom Alltag erholen können. Auch dass wir vielleicht mal sehen, dass es manche Leute gibt, die einfach mehr Hilfe brauchen als nur Feierei.

Was können wir 2010 noch alles von Dir erwarten?

Cana-pé: Auf jeden Fall viele drehende Scheiben, vielleicht auch einen neuen Haarschnitt. Nee, mal ehrlich. Abgesehen von meinen Gigs, bei denen euer Applaus sozusagen mein Brot ist, möchte ich ein Album herausbringen, zu dem sich gerade die ersten Tracks im Mastering befinden. Das wird dann aber ein Cana-pé der anderen Art sein. Wie, wo und in welcher Form dies veröffentlicht werden wird, werdet ihr dann auf diesem Wege als erste erfahren.

Sven, leider sind wir bereits am Ende unseres Interviews angelangt. Besten Dank für das nette und sympathische Interview! Und hoffentlich bis bald!