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Kategorie: Interviews

Interview mit Groovejuice


gepostet von chris am 26. September 2009

Groovejuice - Plattenschaden Monster 01Niels, wir kennen uns nun auch schon ein wenig länger, sind im ständigen Kontakt. Heute also die „Stunde der Wahrheit“. Wo ich Dich mit Fragen löchern werde. Nein Spaß, ich freue mich dass Du Dir die Zeit nimmst und uns ein paar wenige Fragen beantwortest.

Du hast 2004 mit dem Platten auflegen begonnen, hast Du Dir die Technik des Mixens etc. selbst beigebracht? Oder hattest Du diverse Unterstützung?

Groovejuice: Ich bin manchmal wie ein kleines Kind. Wenn mich etwas fasziniert, dann setze ich mich so lange hin, bis ich es verstehe oder selbst kann. Nachdem ich meine ersten Club-Erfahrungen als junger Gast gesammelt hatte, musste ich einfach das Plattenwirbeln mal ausprobieren. Also kaufte ich mir die schäbigsten Plattenspieler und CD-Player, die man sich als Siebzehnjähriger nur kaufen konnte und schloss mich in mein Zimmer ein. Ich hatte mich fast ein Monat nur von Pizza ernährt, denn was anderes ließ sich nicht unter der Tür durchschieben. Das hat sich aber auch gelohnt, schon nach 2 Monaten bekam ich meinen ersten Job als Resident-DJ bei den Schoolsout-Parties in Mannheim.

Einer Deiner ersten Auftritte bzw. Bookings war damals bei den MS Schools-Out-Party’s, wo Du regelmäßig die Schülerinnen und Schüler aus Mannheim und Umgebung ordentlich eingeheizt hast. Beschreib doch einmal kurz wie für Dich damals diese Zeit war?

Groovejuice: Das war wirklich eine coole Zeit. Die Schülerinnen und Schüler waren nur Black und Hiphop gewohnt und bekamen von mir neben Mixed Music schon recht früh mit dem fiesen House-Haken die Füße unter dem Boden weggerissen. Ich fühlte mich wie ein Alternative-Rock-Star. Aber nur, weil die Locations einfach so schäbig waren. Aber irgendwie vermisse ich dieses „Unperfekte“.

2005 hast Du etlige Abi-Partys aus der Region mit Deinem Sound beschallt. Hast Du denn eine Ahnung wie viel das waren? Grob geschätzt? *g*

Groovejuice: Ich weiß jetzt nicht genau wie viele es 2005 waren, aber eben um die Zeit, also auch etwas danach, waren es zwischen 50 und 60 Abiparties. Irgendwie kam mit mir eine zerstörerische Abiparty-Welle über Mannheim und Region. Und ich hatte eben das Glück mein Surfboard rechtzeitig auszupacken.

Du bist mit Lokalen DJ-Größen wie Falko Richtberg, ChicoChiquita in ein und der selben Booking-Agentur. Die geballte Erfahrung also. Lässt Du Dich von Ihnen inspirieren? Oder schaust Dir Tricks ab? Wohlmöglich vielleicht auch umgekehrt?

Groovejuice: Ja natürlich. Jeder lernt immer wieder dazu. Und von den Herren der musikalischen Schöpfung kann man sich immer was abgucken. Da jeder von uns in den letzten Jahren eine starke Entwicklung durchgemacht hat, kann man gar nicht anders als sich gegenseitig inspirieren zu lassen.

Wie beschreibst du deinen eigenen Sound? Was legst du alles auf?

Groovejuice: Ich spiele momentan von Handtaschen-House über Electro bis hin zu explosiven Tech-House. Je nachdem in welchem Club ich auflege. Z.B. spiele ich im Ritzz kommerzieller als im Deep, wo ich mittlerweile vorwiegend mit Tech-House und Electro die Gehörschnecken der Clubbesucher füttere. Dabei versuche ich der Musik immer meine persönliche Note zu geben, in dem ich entweder live Mashups mache oder eigens kreierte Remixe spiele. Momentan macht mir treibender Tech-House und Electro am meisten Spaß.

Nach zahlreichen Residencies in verschiedensten Clubs, darunter auch der Kultclub „Tiffanys“, kamst Du schon sehr viel herum. Hast Du denn einen Lieblings Club, gerade hier in der Region? Wo würdest Du denn gerne einmal auflegen?

Groovejuice: Ich mag ganz klar meine beiden Residencies, das Deep in Heidelberg und das Ritzz in Mannheim. Wäre das hier Facebook, würde ich bei beiden Club den „I like“-Daumenhoch-Knopf drücken. Ich habe keinen Lieblingsclub. Das Loft ist super und im Soho feier ich auch gerne. Aber eher habe ich noch eine Beschwerde an die Region abzugeben: Es gibt einfach zu wenig illegale Parties in zu wenig alten verlassenen Villen oder Supermärkten. Also ihr Veranstalter da draußen, macht mich glücklich!

Nun bist Du Resident im Heidelberger Club „deep“ und im Mannheimer Club „Ritzz“. Unterscheiden sich die Clubs sehr voneinander?

Groovejuice: Ja momentan bewegen sich beide Clubs sehr stark. Das Deep fokussiert sich mehr und mehr auf Tech-House, Electro und Minimal, während das Ritzz etwas für die Nicht-Ganz-So-Hardcore-Electro-Junkies ist. So kann jeder sein Lieblingsbonbon lutschen.

Wenn Du unsere vergangenen Interviews verfolgt hast, weißt Du, dass jeder Interviewpartner immer eine gewisse Frage gestellt bekommt. Nun auch Du. Hast Du denn ein gewisses Ritual vor Deinen Auftritten?

Groovejuice: Bevor ich Auflege, ziehe ich mich für gewöhnlich nackt aus, schließe meine Augen, falte meine Klamotten zu einem kleinen Dreieck, pfeife die Titelmelodie von der „Roten Zora“ und zieh mich danach wieder an. Am Anfang haben die Barkeeper in meinen Resident-Clubs noch verstört geschaut, aber mittlerweile pfeifen sie alle mit. Ein gewisses Ritual habe ich in meinem „Abschlusset“, also am Ende des Abends. Da spiele ich fast immer dieselbe Platte. Und oft lasse ich die Platte allein kreisen, während ich auf der Tanzfläche spazieren tanze.

Komm schon, die Antwort hast du Dir aber vorher ausgedacht *g* Du hast im Vorprogramm von Lexy und K-Paul aufgelegt. Was war das für ein Gefühl?

Groovejuice: Mega, natürlich ein geiles. Der Abend war einer meiner ganz persönlichen Highlights. Da hat einfach alles gestimmt. Die Leute waren cool drauf, die Bude war voll wie Lexy und die beiden Hauptakteure gut drauf. Zudem habe ich einige interessante Dinge über die zwei Berliner erfahren. Das könnt ihr euch echt nicht vorstellen. Das hat mein gesamtes musikalisches Weltbild umgekrempelt. Danke für die Aufklärung, Jungs!

Was kaum einer weiß, Du studierst nebenher noch. Was studierst Du denn genau? Wie finden Deine Kommilitonen bzw. Profs Dein „Nebenjob“ als DJ?

Groovejuice: Ja genau, das sagen alle zu mir: Ich studiere „nebenbei“. Ich bin jetzt aber seit diesem Monat fertig und habe meinen Bachelor im Studiengang „Digitale Medien“ gemacht. Was meine Kommilitonen dazu meinen? Die halten mich einerseits für krank und andererseits für eine rastlose Maschine. Das liegt daran, dass ich ein kleiner Work-a-holic bin. Ich mache generell sehr viel, was mit Medien, Musik und Film zu tun hat. Während meines Studiums drehte ich beispielsweise zwei Staffeln einer Mannheimer Studentenserie („Helden des Campus“) und verschiedene Kurzfilme. Da blieb mir kaum Zeit für Dinge außerhalb der ach so bunten Medienwelt und ich frage mich heute, wie ich das eigentlich geschafft habe…?

Was wünschst Du Dir in den kommenden Monaten, sowohl musikalisch als auch beruflich? Bzw. wo siehst Du Dich heute in 2 Jahren?

Groovejuice: In zwei Monaten sehe ich mich in Alufolie eingewickelt zappelnd und feiernd mit meiner sich gerade im Aufbau befindenden Electro-DJ-Kombo „Laserkraft 3D“ hinter den Plattenspielern und Synthies stehen. Denn ich versuche mir momentan eine zweite Linie aufzubauen, in der ich etwas aggressiver und freier an die Musik gehen kann. Und in 2 Jahren studiere ich hoffentlich „Regie“ an einer renomierten Filmhochschule.
Meine letzte Frage.

Wo können wir Deinen Sound als nächstes anhören?

Groovejuice: Am ersten Oktoberwochenende mit Bullmeister im Deep. Also jetzt schon mal chic machen!

Vielen Dank lieber Niels, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Wir von electrovagant wünschen Dir alles erdenklich Gute für Deine Zukunft.

Groovejuice: Danke und auch Euch wünsche ich alles Gute und viel Erfolg. Ich schätze und unterstütze Euer Engagement. (An dieser Stelle würde wieder der „I like“-Daumenhoch-Button zum Einsatz kommen.)